Robert Naumann


Chaussee der Enthusiasten

Montag, 13. Februar 2012

Erklärung der Berliner Lesebühnen

Berliner Lesebühnen fordern:

Schokoladen schließen!
Klappt die Bürgersteige hoch!
Der Letzte macht das Licht aus!

Seit 1989 sind in Berlin Dutzende von Lesebühnen entstanden: Ensembles von Autorinnen und Autoren, die in Kneipen und Clubs ihre neuen Geschichten vorlesen.

Berlin schmückt sich gern mit diesen Veranstaltungen, die jedes Jahr von Tausenden von Berlinern und Touristen besucht werden und die inzwischen etliche namhafte Kabarettisten und Schriftsteller hervorgebracht haben.

Leider interessiert sich die Berliner Politik nicht dafür, was für die Entstehung einer solchen lebendigen Szene notwendig ist: Cafés, in denen die Getränkepreise so niedrig sein können wie der Eintritt. Kneipen, in denen Künstlerinnen und Künstler einfach etwas ausprobieren können, ohne dass es Geld abwerfen muss. Clubs, deren Betreiber sich nicht ständig sorgen müssen, wie sie die grotesken Renditen für die Hausbesitzer erwirtschaften können.
Nun soll auch der Schokoladen schließen und von der Polizei geräumt werden.

Ohne Orte wie den Schokoladen wären die Berliner Lesebühnen nie entstanden!

Bis vor wenigen Jahren konnten wir uns leicht trösten, wenn wieder einer dieser Orte schließen musste. Es gab ja noch andere. Das war einmal. Heute gibt es praktisch keine Orte mehr, an denen noch etwas entstehen könnte.

Die östliche Innenstadt nähert sich einem Zustand der Stagnation.

Wir können an dieser Stelle nicht ausführlich auf den Prozess der Gentrifizierung eingehen, den wir ohne es zu wollen selbst mit angestoßen haben. Dazu haben sich andere bereits fundierter geäußert, als wir es könnten. Doch wir sehen mit Wut, wie das allgemeine und für alle Bevölkerungsschichten geltende “Recht auf Stadt” immer mehr zum Privileg der Gut- und Besser- und Bestverdiener zu werden droht.

Die Berliner Lesebühnen und ihre Freunde beteiligen sich an den Aktionen zur Rettung des Schokoladens. Und wir bitten alle, die uns kennen, uns dabei zu unterstützen.

-> Kommt zur Demo gegen die Räumung des Schokoladens:
Dienstag 21. Februar, 17.30 Uhr
Klub der Republik, Pappelallee 81
(U-Bhf. Eberswalder Str.)

-> Stellt euch der Räumung in den Weg:
Mittwoch 22. Februar, 8 Uhr
Schokoladen, Ackerstrasse 169
(U-Bhf. Rosenthaler Platz)

EINZELPERSONEN:
Ahne
Andreas Gläser
Andreas Jeromin
Andreas Scheffler
Anselm Neft
Clint Lukas
Dan Richter
Daniela Böhle
Elis
Falko Hennig
Felix Jentsch
Frank Sorge
Frédéric Valin
Hans Duschke
Heiko Werning

Helene ‘Atta’ Hecke
Horst Evers
Ingolf Penderak
Ivo Smolak aka Ivo Lotion
Jacinta Nandi
Jochen Schmidt
Jürgen Witte
Karsten Krampitz
Konrad Endler
Lea Streisand

Maik Martschinkowsky
Manfred Maurenbrecher

Marc-Uwe Kling
Micha Ebeling
Robert Naumann
Robert Rescue
Sarah Bosetti
Sarah Schmidt
Sebastian Krämer

Stephan Serin
Thilo Bock
Tilman Birr
Tobias “Tube” Herre
Udo Tiffert
Ursus Meier
Volker Surmann

LESEBÜHNEN:
Der Frühschoppen
Brauseboys
Reformbühne Heim & Welt
Liebe statt Drogen
Chaussee der Enthusiasten
Surfpoeten
Radio Hochsee
Kantinenlesen

Lesershow Wedding

Lesedüne

Lokalrunde-Die Show mit Weltniveau

Dienstag, 7. Februar 2012

Thüringer Klöße

















Am Freitag hatte ich Rindergulasch gekocht und wollte mir am Sonnabend eigentlich nur schnell ein paar Nudeln als Beilage kochen, aber ganz plötzlich überkam mich ein solcher Appetit auf Thüringer Klöße, dass ich mich an die Arbeit machte, zumal es Ewigkeiten her ist. Mehr als mehligkochende Kartoffeln braucht man ja eigentlich nicht.
1 kg Kartoffeln reiben, und zwar am besten auf der Seite der Vierkantreibe, die man sonst nie braucht. (Ich hab wirklich keine Ahnung, wozu die sonst gut sein sollte) Das ist zwar etwas beschwerlich und gefährlich, weil man da leicht abrutscht, aber dadurch werden die Kartoffeln wirklich ganz fein gerieben und verbinden sich nachher besser. Das ganze bitte schön schnell, damit sich die geriebene Kartoffelmasse nicht gar zu sehr verfärbt. Dann in einem Geschirrtuch über einer Schüssel gut ausdrücken, wirklich so, dass die Masse schön trocken ist. In eine Schüssel geben und luftdicht verschließen. (sonst Verfärbung)
500 g Kartoffeln schälen, in Würfel schneiden und in wenig Salzwasser gar kochen. Gut zerstampfen und dann die geriebenen Kartoffeln zugeben, am besten, während der Topf noch auf dem Herd steht, denn der Kartoffelbrei muss sehr heiß sein, damit sich geriebene und gekochte Kartoffeln verbinden können. Gewürfeltes Weißbrot in der Pfanne rösten, dann mit nassen Händen eine gute Handvoll Kloßmasse entnehmen, die Weißbrotwürfel drauflegen, zu einem Kloß formen und in nicht mehr siedendes Wasser geben. Wenn die Klöße an die Wasseroberfläche kommen, lass ich sie noch fünf Minuten drin, dann sind sie fertig.
Und das schöne war: am Sonntag konnte ich die Restklöße in Scheiben in Butterschmalz anbraten und zusammen mit dem Restgulasch genießen.

PS: Auf dem Bild sieht der Kloß so gelb aus, in Wirklichkeit war er aber grau-grün, so wie ein Thüringer Kloß aussehen muß!

PPS: Kennt eigentlich jemand eine Kneipe / ein Restaurant, dass noch selbstgemachte Thüringer Klöße anbietet und nicht die aus dem fertig gekauften Kloßteig, die zwar gar nicht so schlecht schmecken, aber mit Thüringer Klößen nichts zu tun haben?

Schlechte Nazi-Filme

Gestern auf ZDF-Kultur zwei Filme zum Thema Neonazis gesehen. Leider fand ich beide schlecht und so bleibt es dabei, dass ich bisher keinen wirklich guten Film zum Thema gesehen habe, wobei "Die Kriegerin" (läuft aktuell im Kino) noch der beste war, weil zumindest vor allem die Hauptdarstellerin überzeugen kann und er einen gewissen Sog entwickelt, dem man sich trotz der Abstriche in Sachen Handlung, Logik und Authentizität schwer entziehen kann.
Die beiden Filme gestern waren schon etwas älter. "Leroy" (2007) ist eine satirische Liebeskomödie. Oder soll es sein. Bemüht witziges Laienspiel mit Botschaft, so würde ich den Film umschreiben. Zwei absolut talentfreie Hauptdarsteller, die vom Regisseur auch noch zu grauenhaften Dialogen gezwungen wurden.
Der ganze Film wirkt so bemüht auf Leichtigkeit und Witz getrimmt, die satirischen Elemente so unstimmig und unglaubwürdig, dass es mir eigentlich leicht fallen sollte, ein vernichtendes Urteil abzugeben. Aber irgendwie ist der Film auf eine dämlich-naive Art auch nett. Als würde einem ein nettes, aber musikalisch völlig unbegabtes Kind ein völlig verhunztes Lied vorsingen und dabei aber so überzeugend übers ganze Gesicht strahlen, dass man es einfach nicht übers Herz bringt, sich die Ohren zuzuhalten und zu schreien: "Hör auf!", sondern stattdessen zum Schluß sogar noch irgendwas anerkennendes murmelt.

Das kann einem bei "Kombat 16" nicht passieren, denn der Film ist keine Satire, sondern ein Drama, und trotzdem von vorn bis hinten albern. Das fängt schon an bei der Kleidung, die die drei jugendlichen Neonazis aus Frankfurt/Oder tragen. Vielleicht ist so eine Klamottensache ja unwichtig, aber für mich war der Film zu dem Zeitpunkt schon verloren, als die drei zum erstenmal mit ihren knielangen grünen Jacken auftauchten. Ich hab einfach keinem von denen den Neonazi abgenommen, und ja, ich weiß, dass Neonazis nicht nur Bomberjacken tragen und eine Glatze haben.
Es wimmelt von Logikfehlern und unglaubwürdigen Szenen. Höhepunkt ist wohl, als der Hauptdarsteller nach einem Besuch in seiner alten Heimat Frankfurt/Main erfährt, dass seine farbige Freundin ihn mit einem anderen betrügt, und er daraufhin auf der Rückfahrt im Zug unter Einfluß von viel Alkohol einen Spiegel mit der bloßen Faust zerschlägt und mit den Scherben sich die Haare vom Kopf schneidet. Aber vielleicht bin ich auch zu alt und habe nicht mitbekommen, dass heutige Jugendliche sich so verhalten.
Permanente, unglaublich bescheuerte Traumsequenzen schaffen es, das Niveau noch zu senken.

Eigentlich bin ich gar nicht so kritisch und lasse mich auch gern von Popcornkino unterhalten, aber Filme mit Neonazis bringen mich regelmäßig auf die Palme. Vielleicht habe ich aber bisher auch die falschen gesehen und es gibt gute Filme zum Thema? Schreibt doch mal in die Kommentare, ob ihr einen kennt.

PS: Mir ist aufgefallen, dass ich seit Ewigkeiten keinen echten Nazi-Skinhead mit Glatze, Bomberjacke, hochgekrempelten Jeans und Springerstiefeln mehr gesehen habe. Gibt's die gar nicht mehr?




Dienstag, 31. Januar 2012

ˈɲɔkːi





Zugegeben: es gibt auch eine Menge fleischloser Gerichte, die mich glücklich machen, und nach einer Überdosis Fleisch bin ich eigentlich ganz froh, mal wieder ein paar Tage Verzicht zu üben.
Da die Kinder wieder da sind, muss ich das sowieso, und etwas, was uns alle glücklich macht, sind Gnocchi. Und bei Gnocchi hilft alles nichts: man muss sie selbst machen, denn was man da im Supermarkt fertig zu kaufen bekommt, schmeckt eklig.
Ist gar nicht so schwer, wenn auch etwas zeitaufwendig: mehligkochende Kartoffeln in der Schale garen, sehr gut ausdämpfen lassen (ich leg sie immer noch für eine halbe Stunde in den vorher angeheizten und dann ausgeschalteten Backofen), pellen und durch die Kartoffelpresse drücken. Mit Ei (kein Muss), Mehl, Salz und Muskatnuss zu einem Teig verarbeiten, der nicht mehr an den Händen klebt. Zu einer Rolle formen, kleine Stücke abschneiden und diese über eine Gabel rollen, so dass die typischen Rillen entstehen.
In kochendes Salzwasser geben und wenn sie an der Oberfläche schwimmen, sind sie schon fertig.
Bei uns gab es dazu eine Paprika-Tomaten-Soße, aber die schmecken auch z.B. einfach nur in Salbeibutter geschwenkt fantastisch.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Dienstag, 24. Januar 2012

Endlich wieder Fleisch



























Da mich meine Kinder dazu zwingen, mich fleisch- und wurstlos zu ernähren, wenn sie bei mir sind, bin ich am Ende einer solchen Woche total ausgemergelt und habe kaum noch die Kraft, die Kinder zur Tür hinauszuschubsen, damit ich endlich zur Kaufhalle kriechen und mir ein großes Stück Fleisch holen kann.
Diesmal ein schönes Stück Rindfleisch aus der Keule, für ein Chili con Carne, von dem ich drei Tage essen kann.
Ein Drittel des Fleisches schicke ich durch den Fleischwolf, der Rest wird gewürfelt. Dann kommen ein paar frische Peperoni, getrocknete Chilies, Knoblauch, Tomatenmark, Harissa, Kreuzkümmel, Oregano, Zucker und Cayennepfeffer in den Mixer und werden zu einer Paste verarbeitet.
Fleischwürfel in heißem Öl anbraten, rausnehmen, Hackfleisch in den Topf, zwei gewürfelte Zwiebeln, alles anschmoren, die Paste dazu und anschwitzen. Eine Dose Tomaten und etwas Wasser angießen, Fleischstücke dazu und alles schön schmoren lassen (zwei Stunden).
Schließlich die über Nacht eingeweichten roten Bohnen dazugeben und weiter schmoren lassen, bis die Bohnen weich sind.
Wichtig: In Berliner Wasser werden getrocknete Hülsenfrüchte nie, niemals weich! (Bis ich das kapiert hatte, litt mein Magen mindestens dreimal sehr schmerzhaft, weil er mit der Verdauung halbgarer Bohnen und Kicherbsen überfordert war.
Also: Wasser, in dem die Bohnen eingeweicht werden, vorher abkochen. Das Einweichwasser auch für das Chili verwenden und um ganz sicher zu gehen, noch etwas Natron dazu.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Pilzrisotto














Es sollen ja wegen der milden Temperaturen momentan sogar Pfifferlinge im Wald wachsen, ich habe aus Bequemlichkeit allerdings auf eine Mischung aus getrockneten Pilzen und frischen Champignons zurückgegriffen. Und war überrascht: beide Kinder haben ohne zu murren gegessen. Kommt also auf die bisher sehr übersichtliche Liste mit den Gerichten, bei denen wir alle drei auf einen Nenner kommen.